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Weblog der Texterin Gisela Behrendt

Liebesbriefe stehen wieder hoch im Kurs

Eine Person erzählte mir eines Tages triumphierend am Telefon: Ich habe Ihren Liebesbrief gelesen. Welch schreckliches Gefühl! Daran erinnere ich mich noch nach Jahren genau, obwohl sie dann sagte: Wirklich schön geschrieben. Immerhin ein kleiner Trost in dieser unmöglichen Situation. Denn Liebesbriefe scheuen eigentlich das Licht der Öffentlichkeit. Sie gehören nämlich zu den intimsten Korrespondenzen zwischen zwei Menschen, die niemanden etwas angehen. Sie erzählen uns mit immer neuen Worten von Sehnsucht, Treue, Leiden­schaft, Zweifeln, Sorgen, Schmerz und Abschied.

In einem Liebesbrief öffnet man sein Herz, lässt sich von seinen Gefühlen inspirieren und schreibt sich etwas von der Seele. Man ist schwach und verletzlich. In ihnen findet sich eine Art Geheimsprache zwischen den Liebenden, Koseworte – besonders anrührend ist es, wenn ein Gedicht zu lesen ist. Und so manches Mal rühren sie das Herz des/der Angebeteten so, dass man eine Antwort erhält. Und der Liebesbrief vielleicht aufbewahrt wird. Manchmal erleidet der Liebesbrief jedoch das Schicksal alles Irdischen: Er wird zerrissen und dem Feuer übergeben.

Lesen Sie weiter, wenn Sie an folgenden Punkten interessiert sind – den Text gibt es auch als Download

  1. Liebesbriefe berühmter Persönlichkeiten
  2. Der Zauber des Liebesbriefes entsteht immer neu – nicht nur am Valentinstag
  3. Anlässe für einen Liebesbrief
  4. Geschichte der Liebesbriefe: Brief als Kunstform
  5. 18. Jahrhundert: Liebesbrief als Kommunikationsmittel
  6. Liebesbrief im 20. Jahrhundert: Weltkriege bescheren Boom
  7. Neue Formen (und Ideen) von Liebesbriefen
  8. Tipps: Wie schreibt man einen Liebesbrief?

Liebesbriefe berühmter Persönlichkeiten

In der Literatur sind viele Beispiele von Liebesbriefen berühmter Menschen zu lesen. Deren Liebesbriefe wurden zumeist nach deren Tod veröffentlicht wie zum Beispiel die von Goethe an Charlotte Stein, Gottfried Keller an Luise Rieter, Clara an Robert Schumann. Ob sie damit einverstanden waren, wissen wir nicht. Lesen Sie hier einige Zitate aus berühmten Liebesbriefen, die ein wenig neidisch machen:

  • Morgen werde ich selbst Venus eifersüchtig machen.
  • Am Sonntag küss ich dich mündlich.
  • Ach, könnt ich mich selbst in dieses Kuvert legen.
  • Ich küsse dich von Kopf bis Fuß.
  • Mein Herz ist voller Weh und Sehnen.
  • Und als ich dich traf, hatte ich endlich keine Angst mehr.
  • Und Ihnen alle Zärtlichkeiten …

Dass nicht nur Frauen Verfasserinnen von Liebesbriefen waren, zeigt das Beispiel Napoleons, der sich zwischen seinen Kriegen nach seiner geliebten Josephine verzehrte: Sein Liebesbrief, der viel von seinen Gefühlen preisgibt, wurde für 409.000 Euro versteigert.

Der Zauber des Liebesbriefes entsteht neu – nicht nur am Valentinstag

Oft wurde der klassische Liebesbrief schon totgesagt, sicher ist er heute seltener geworden. Aber es ist noch immer das Bedürfnis zweier Liebender, sich gegenseitig in einer persönlichen Form auszutauschen, gerade am Valentinstag, dem Tag der Verliebten. Vielleicht werden sie ja heute im Zeitalter der SMS und Mails dazu angeregt, ihrem Liebsten einen Brief zu schreiben. So richtig auf schönem Papier und mit dem Füller. Ein Geschenk, über das diese/r sich sicher freut. Vielleicht sogar mehr als über etwas Gekauftes. Denn ein wunderschöner Liebesbrief ist fast schon zum Luxus geworden und erfüllt somit die Funktion eines kostbaren Geschenks.

Anlässe für einen Liebesbrief

Wann sollte man einen Liebesbrief schreiben? Sicher zu einem besonderen Ereignis wie dem Valentins- oder Geburtstag, dem Tag des Kennenlernens, als Liebesgeständnis oder –beweis, nach einem Streit oder einen Trennung. Oder einfach so, weil man verliebt oder verheiratet ist. Besonders schön finde ich diese Idee: Das Liebespaar Goethe/von Stein schickte sich mehrmals täglich kleine Billet doux (lit. für Liebes- oder Süßbriefchen) mit Liebesschwüren, obwohl es am selben Ort lebte.

Geschichte der Liebesbriefe: Brief als Kunstform

Seit wann gibt es überhaupt Liebesbriefe? In Aufzeichnungen der Post ist nachzulesen, dass sich deren Geschichte bis etwa 400 v. Chr. zurückverfolgen lässt. Damals ritzte man Nachrichten in kleine Bleitäfelchen.In der Antike findet man Liebesbriefe von Ovid, Horaz oder Seneca in einer stark literarisierten Form. Im Mittelalter werden Minnebriefe verfasst, darunter versteht man poetische Grüße in Form eines Gedichts, das hin und wieder auf lange Pergamentstreifen geschrieben wurde. Im 14. Jahrhundert kommen erstmalig so genannte Musterliebesbriefe auf, die von „Briefstellern“ verfasst wurden. Sie fallen heute wegen ihrer Formelhaftigkeit und Unnatürlichkeit auf. Auch heute kann man sich von zahlreichen Agenturen im Internet Liebesbriefe schreiben lassen.

18. Jahrhundert: Liebesbrief als Kommunikationsmittel

Im Zeitalter der Aufklärung, des Sturmes und Drang, entdeckten die Menschen ihre starken Gefühle und damit die natürliche Sprache ihres Herzens. Daher wurde der Brief individueller und natürlicher. Zu dessen Verbreitung trug auch die zunehmende Emanzipation und Bildung und der aufkommende Brieftransport bei. Immer mehr Liebesbriefe gelangten in dieser Zeit an die Öffentlichkeit. Aus diesem Grunde erschienen erste Anleitungen zum Briefe schreiben, zum Beispiel von Christian Fürchtegott Gellert. Briefromane wie Goethes „Leiden des jungen Werthers“ markierten zudem eine neue literarische Gattung.

Das 19. Jahrhundert bildete mit dem Aufkommen der romantischen, bürgerlichen Liebe den Höhepunkt des Schreibens von Liebesbriefen. Ganz dem Stil der Zeit angemessen, kommen dieser sehr poetisch her, manchmal auch geradezu schwülstig, mit vielen schmückenden Adjektiven und vom Sprachgebrauch sehr exzessiv. Gefühle aus dem Herzen sollten direkt in die Feder fließen. Liebesbriefe werden zu dieser Zeit stark stereotyp verfasst, immer einem bestimmten Anlass entsprechend. Man legte „Stationen“ fest:  Liebesbriefe für die Station der Annäherung, der Liebeserklärung und der Legalisierung des Verhältnisses. Nach der Hochzeit waren Liebesbriefe wohl nicht mehr nötig.

Der Liebesbrief im 20. Jahrhundert: Weltkriege bescheren Boom

Die beiden Weltkriege verliehen dem Schreiben von Liebesbriefen einen Schub. Zirka 40 Milliarden Feldpostkarten zeugen davon: Sie bildeten für die Soldaten den einzigen Weg, mit ihren Liebsten zu kommunizieren. Diese fallen durch ihren monologischen Charakter auf und sind zugleich ein Zeugnis ihrer inneren Verfassung. In den 70er Jahren erhielt der Liebesbrief Konkurrenz durch Telefon, mit dem sich Liebende dialogisch austauschen können. Doch der klassische Liebesbrief starb nie ganz aus. Jetzt wird dieser als „Brief einer liebenden Person“ definiert und ist nicht mehr formalen und inhaltlichen Kriterien unterworfen. Traditionelle Rollenzuweisungen sind durchbrochen; die Initiative kann auch von Frauen ausgehen. Die Anlässe sind vielfältig, zum Beispiel „Nach dem ersten Mal“. Moderne Liebesbriefe erscheinen im Vergleich schlichter, kürzer, verwenden Gefühlsäußerungen sparsamer. Und sind eher in der Alltagssprache verfasst.

Neue Formen von Liebesbriefen

Heute wird jedes Medium zur Übermittlung von Liebesgrüßen genutzt. Vom Zettelchen, auf dem steht: „Kreuze an! Willst du mit mir gehen? Ja, nein, vielleicht“ bis zum klassischen Brief auf schönem Papier, der mit dem Füllfederhalter geschrieben wird.

  • Man schreibt und empfängt Mails und SMS mit bestimmten Zeichen, den Emoticons. Diese Liebesbriefe sind unpersönlicher und in gewisser Weise unverbindlicher. Bei ihnen ist keine sinnliche Gestaltung möglich, ebenso bei den Flirtbriefen im Netz.
  • Viele Menschen, in der Mehrzahl Männer, lassen sich vorgefertigte Liebesbriefe von Liebesbriefagenturen schreiben. So wird wenigstens der Schein gewahrt: Ich gebe mir Mühe und schreibe dir persönlich. Oder man benutzt gleich Liebesbriefgeneratoren wie den „Cyrano“, der einem ganz kostenlos nach einigen kleinen Angaben einen Liebesbrief verfasst.
  • Liebesbotschaften findet man allüberall:  in der Zeitung, auf der Baumrinde, auf dem Spiegel, auf Haftnotizen, an Unterführungen gesprayt, als Spruchband, das von einem Flugzeug in die Luft gebracht wird

Und zum Schluss dieses Kapitels stelle ich Ihnen noch einige Ideen vor:

  • Sie können singen? Dann singen Sie ein Liebeslied, erstellen eine CD …
  • Sie können zeichnen? Versehen Sie Ihren Liebesbrief mit Zeichnungen …
  • Sie haben ein Foto von sich? Markieren Sie Ihr Herz und schreiben dazu: Das schlägt nur für dich.
  • Sie sind künstlerisch veranlagt? Malen Sie einen blauen Punkt, ein rotes Viereck etc. und schreiben Sie dazu: Das erinnert mich an dich, seine Tiefe, die Leidenschaft, die Treue, die Ausstrahlung …

Tipps: Wie schreibt man einen Liebesbrief?

Erwarten Sie hier Tipps für den Inhalt, die Form oder den Aufbau eines Liebesbriefes? Der ist so individuell – denn es gibt keine allgemein gültigen  formalen und inhaltlichen Kriterien mehr – dass ich Ihnen nur raten kann: Seien Sie kreativ, schreiben Sie, was Sie gerade empfinden und tun, was Ihnen an Ihrem/Ihrer Liebste (n) gefällt, wie sich Ihr Leben bereichert hat und denken Sie an schöne Stunden. Sie können auch Gemeinsamkeiten aufzählen. Wählen Sie ein passendes Material dazu aus. Dann wird es sicher der schönste Liebesbrief der Welt.

Für alle, die das Besondere und Klassische lieben, doch noch eine kleine Zusammenfassung:

  • mit der Hand und dem Füllfederhalter (schwarze Tinte) schreiben
  • schönes, weißes oder cremefarbiges Papier
  • Datum schreiben (vielleicht wird der Brief ja aufbewahrt)
  • Benutzen Sie in der Anrede den Vornamen „Mein liebster Klaus“ oder den Kosenamen.
  • Auch bei der Grußformel sollte es etwas Besonderes sein: Ich denke an dich, umarme dich …
  • Ein Zitat ist sicher schön, aber es muss zu Ihnen passen.

LiebesbriefeGiselaBehrendt als pdf

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